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Judenverfolgung - Judenvernichtung /
Die Verantwortung Martin Luthers

 
 

 

 

 

 

 Die Verantwortung Martin Luthers

Die evangelische Kirche und der Holocaust

Welche Verantwortung tragen die evangelische Lehre und die evangelische Kirche für den Völkermord an den Juden?

DER THEOLOGE Nr. 4 veröffentlicht bisher wenig bekannte Dokumente und Hintergrundinformationen und vergleicht sie mit einigen Fakten der Gegenwart.

In den Jahren 1933 - 1945 gibt es in der evangelischen Kirche zwei Flügel, die "Deutschen Christen" und die "Bekennende Kirche". In beiden Gruppen wurde der Treue- und Gehorsams-Eid gegenüber Adolf Hitler geschworen. Und Verantwortliche und Anhänger beider Flügel fordern oder befürworten auch die Judendiskriminierung und -verfolgung, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Warum? Ist dies ein "einmaliges Versagen" oder eine Konsequenz aus dem evangelisch-lutherischen Glauben?
 

Die Verantwortung Martin Luthers

Die Entstehung der evangelischen Kirche geht auf den Augustinermönch, Priester und Theologieprofessor Martin Luther (1483 - 1546) zurück. Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse erklärt, Martin Luther sei der "größte Antisemit seiner Zeit" (siehe Zeitablauf: 1938). Innerhalb der evangelischen Kirche wird 1933 dokumentiert, wie Luthers antijüdische Schriften Jahrhunderte lang den Boden für den Antisemitismus der Gegenwart bereiten (siehe Zeitablauf: 1933).

Ausgangspunkt des lutherischen Antisemitismus ist die grundlegende Schrift Martin Luthers "Von den Juden und ihren Lügen" (1543). Die Judenverfolgung ist eines der wichtigsten Anliegen von Martin Luther in seinen letzten Lebensjahren. Sie ist auch das Thema seiner letzten Kanzelabkündigung am 15.2.1546 in Eisleben, drei Tage vor seinem Tod, wo er z.B. fordert: "Darum sollt ihr Herren sie nicht leiden, sondern wegtreiben." Und auch in seinem letzten Brief, den er von Eisleben aus an seine Frau schreibt, kündigt er die Vertreibung der Juden an. Die Staatsmänner seiner Zeit erfüllen die Forderungen Martin Luthers aber nicht.

So fordert es Martin Luther - so tun es die Nationalsozialisten

Martin Luther erklärt den Bürgern, die Juden seien ihr "Unglück":
"Ein solche verzweifeltes durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist´s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen. Das ist nichts anderes. Da ist kein menschliches Herz gegen uns Heiden. Solches lernen sie von ihren Rabbinern in den Teufelsnestern ihrer Schulen." (Der achte und letzte aller Bücher und Schriften des teuren seligen Mans Gottes, Doctoris Martini Lutheri, Tomos 8, Jena 1562, S.95) Der Satz "Die Juden sind unser Unglück" wird zu einer der schlagkräftigsten Parolen der Nazi-Zeit.
 

Martin Luther empfiehlt,  jüdische Mitbürger zu meiden:
"Wenn du siehst oder denkst an einen Juden, so sprich bei dir selbst also: Siehe, das Maul, das ich da sehe, hat alle Sonnabend mein lieben Herrn Jesum ... verflucht, vermaledeit und verspeist, dazu gebetet und geflucht vor Gott, daß ich, mein Weib und Kind und alle Christen erstochen und aufs jämmerlichste untergegangen wären. Er wollte es selber gerne tun, und, wo er könnte, unsere Güter besitzen ... Ich sollte mit einem solchen verteufelten Maul essen, trinken oder reden? So möchte ich aus der Schüssel oder Kannen mich voller Teufel fressen und saufen, so mache ich mich gewiß damit teilhaftig aller Teufel, die in den Juden wohnen." (Martin Luther zit. nach: Landesbischof Sasse, Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!, Freiburg 1938, S.11) Anmerkung: Die Vorwürfe gegen die jüdischen Bürger sind Lügen. Die Nazis verbieten 1941 Freundschaften zwischen Deutschen und Juden. In öffentlichen Einrichtungen dürfen Juden nicht bei Deutschen sitzen.
 

"Martin Luthers Rat zur Judentaufe"
"Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams!" (Tischreden Nr.1795 zit. nach Landesbischof Sasse, Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!, Freiburg 1938, S.14)
Die Nazis demütigen jüdische Mitbürger auf vielfache Weise bis hin zu Ermordungen bei den Pogromen und später in den KZs. Eine katholische oder evangelische Taufe ist kein Schutz vor dem Holocaust.
 

Martin Luther fordert den Staat dazu auf, die jüdischen Mitbürger zu verfolgen:

1.)
Martin Luther fordert: Man soll ihre
"Synagoga oder Schulen mit Feuer anstecken ... unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen seien ..." Das tun die Nazis, z.B. in der Reichspogromnacht 1938, an Luthers Geburtstag.

2.)
Martin Luther fordert,
"... daß man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre ... Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder einen Stall tun."
Die Nazis ziehen die Juden zunächst ab 1938 in bestimmten Häusern zusammen, ab 1939 teilweise in Gettos. Später werde sie - vergleichbar einem Viehtransport - in Eisenbahnwaggons gepfercht und in die Konzentrationslager gefahren. Dort müssen sie in Baracken wohnen.

3.)
Martin Luther fordert, "... daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein ... auch die ganze Bibel und nicht ein Blatt ließe."   Die Nazis lassen 1933 die jüdischen Schriften verbrennen.

4.)
Martin Luther fordert, "...daß man ihnen verbiete, bei uns ... öffentlich Gott zu loben, zu danken, zu beten, zu lehren bei Verlust Leibes und Lebens ... daß ihnen verboten werde, den Namen Gottes vor unseren Ohren zu nennen."
Die Nazis nehmen den Juden das Leben. Sie werden meist erschossen oder vergast, ihre Leichen in Massengräbern verscharrt oder verbrannt - allerdings unabhängig davon, ob der jüdische Bürger zuvor Gott öffentlich lobte oder nicht. Die ersten Pogrome erfolgen bereits 1933, die Massenmorde beginnen 1939.

5.)
Martin Luther fordert, "...daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe ... Sie sollen daheim bleiben."   Juden dürfen in der Nazi-Zeit ihren Wohnort nur mit polizeilicher Genehmigung verlassen. Später gilt das auch für die Gettos (ab 1939). Wer sich nicht daran hält, wird verhaftet.

6.)
Martin Luther fordert, daß man "... nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold."   Das tun die Nazis ebenfalls. 1938 wird der Besitz "zwangsarisiert", 1939 der Schmuck eingezogen, später das Geld.

7.)
Martin Luther fordert,
"...daß man den jungen und starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen."
Die "jungen und starken Juden und Jüdinnen" werden von deutschen Firmen der Nazi-Zeit zum Teil als Zwangsarbeiter eingesetzt. In den Konzentrationslagern werden die Arbeitsfähigen v.a. seit 1938 von den Schwächeren getrennt. Die einen müssen unter dem Motto "Arbeit macht frei" zwangsarbeiten und werden erst hingerichtet, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Die anderen werden gleich umgebracht.

Martin Luther fordert: "Summa: ... daß ihr und wir alle der ... teuflischen Last der Juden entladen werden ..." Sechs Millionen Juden werden beim Holocaust ermordet. Von den Überlebenden wandern die meisten bis 1951 in die USA oder nach Israel aus.

Martin Luther fasst sein Anliegen der Judenverfolgung folgendermaßen zusammen: "Unseren Oberherren, so Juden unter sich haben, wünsche ich und bitte, daß sie eine scharfe Barmherzigkeit wollten gegen diese elenden Leute üben, wie droben gesagt, obs doch etwas (wiewohl es mißlich ist) helfen wollte. Wie das die treuen Ärzte tun, wenn das heilige Feuer in die Beine gekommen ist, fahren sie mit Unbarmherzigkeit und schneiden, sägen, brennen Fleisch, Adern, Bein und Mark ab. Also tue man hier auch, verbrenne ihre Synagogen, verbiete alles, was ich droben erzählt habe, zwinge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen um nach aller Unbarmherzigkeit wie Mose tat in der Wüste und schlug dreitausend tot, daß nicht der ganze Haufen verderben mußte."
Einige töten, um andere zu retten? Was aber soll nach Luthers Überzeugung geschehen, wenn ein Massaker z.B. an 3000 Juden aus seiner Sicht nicht das gewünschte Ergebnis bringen würde, nämlich die Bekehrung der Juden zum kirchlichen Glauben? Zeichnet sich auch bei Luther schon die so genannte "Endlösung" der Judenfrage ab?
Anmerkung: Mose führte solches übrigens nicht durch, es wurde ihm nur unterstellt

(Quellen: Landesbischof Sasse, Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!, Freiburg 1938; Von den Jüden und ihren Lügen von M. Luther, 1542, als Volksausgabe herausgegeben von H. L. Parisius, München o.J.; Der achte und letzte aller Bücher und Schriften des teuren seligen Mans Gottes, Doctoris Martini Lutheri vom 42. Jahr an (= Tomos 8); zit. nach: Hans-Jürgen Böhm, Die Lehre M. Luthers - ein Mythos zerbricht; kostenlos erhältlich beim Verfasser: Badstr. 28a, 91287 Plech)

Der Philosoph Karl Jaspers stellt 1962 fest: Luthers "Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt." "Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt." (Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, München 1962, S.90)

Adolf Hitler selbst rechtfertigt die Judenverfolgung damit, "daß er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was, "daß er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in 1500 Jahren gegen sie getan habe." (Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S.406)

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Aus: Der Theologe Nr.4 – http://www.theologe.de

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Stand dieser Seite:  31. August 2005

   
 

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