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Eine Reise auf Leben und Tod

 
 

 

 

 

 

Haschiwah 27/1, © Copyright 2004, Lema’an Zion, Inc.

Eine Reise auf Leben und Tod

Als die Schüsse der Terroristen nahe Kochav Haschachar das Auto durchlöcherten, rief Rabbi Schalom H. seiner Frau zu, in Deckung zu gehen. Er bedeckte sie mit seinem Körper. Das Auto schleuderte von der Straße und überschlug sich. Der Rabbi war sofort tot. Seine Frau, Limor H., erlitt Schusswunden im Gesicht und in ihrer linken Hand. Ungeachtet der durch die Kugeln zerschmetterten Hand, zog sie sich durch die Heckscheibe aus dem brennenden Wagen und versteckte sich, in der Furcht vor weiterem Beschuss durch die vier palästinensischen Wegelagerer, im nahen Gebüsch. Sie wusste nicht, ob sie und das Kind, welches sie erwartete, überleben würden.

Später an diesem August-Tag letzten Jahres, an dem die 24-jährige Limor zur Witwe wurde, gebar sie auch das Baby. Während die Ärzte in einem Krankenhaus Jerusalems die Schusswunden in ihrem Gesicht und an ihrer Hand behandelten, setzten zwei Monate verfrüht die Wehen ein. Durch Kaiserschnitt wurde ein winziges Mädchen entbunden, das den Namen Sarah erhielt. Ihr anderes Kind, ein 14 Monate alter Junge, war zur Zeit des Angriffs nicht im Auto, sondern bei Verwandten gewesen.

Ein Polizist, ein gemeinsamer Freund von Limor und mir, fragte uns neulich, ob wir ihr und ihrer Familie helfen könnten. Als ich mich über die aktuelle Situation, jetzt fünf Monate nach dem Angriff, erkündigte, war es offensichtlich, dass der Zustand (medizinisch und anderweitig) verzweiflungsvoll war.

Limors Gesicht wurde durch Knochentransplantationen wieder hergestellt. Eine Tiefe Narbe verläuft über ihre Wange bis zur Nase. Ihre linke Hand wurde mit Stahlstiften zusammengeflickt, welche in allen Winkeln herausstecken. Wegen ihrer großen Schmerzen verordneten die Ärzte Morphium.

Weil sie Physiotherapie und ständige Hilfe für sich und ihre beiden Kinder benötigt, zog Limor von ihrem Heim in Nord-Samaria in die Wohnung ihrer Mutter in Jerusalem um. Sie kann ihre Kinder nicht anziehen, nicht für sie kochen oder sie hochheben. Sie kann ihr Baby nicht im Arm halten, um es zu füttern. An ihrer Stelle muss Limors Mutter (die Großmutter der Kinder) in alltäglichen Dingen, wie beim Öffnen und Schließen der Babyflasche oder beim Bereiten der Kindernahrung helfen. Sie ist keine „alte“ Großmutter, sie ist allein erziehend und hat selber zwei eigene Kinder (Limors Geschwister) im Alter von 10 und 2½ Jahren, um die sie sich kümmern muss.

Das Baby Sarah musste mehrfach im Krankenhaus stationär behandelt werden; es lag wegen Lungenentzündung und anderen typischen Komplikationen Frühgeborener auf der Intensivstation. Als ich vor einer Woche mit einem Freund der Familie sprach, sagte er, dass sich das kleine Mädchen wieder einmal, an Schläuchen und verbunden mit Überwachungsmonitoren, im Krankenhaus befindet.

Limor wollte während der Krankenhausaufenthalte ihres schwachen Säuglings an dessen Seite bleiben, musste aber trotzdem ihre eigenen Physiotherapie-Termine wahrnehmen. Sie brach vor Erschöpfung zusammen. Ihre eigene Krankenhausbehandlung ist noch nicht abgeschlossen. Kürzlich wurde ihr mitgeteilt, dass weitere wiederherstellende Operationen an ihrem Gesicht notwendig sind.

Der Großteil der Behandlungskosten wird von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen, aber nicht alles. Die Taxifahrten zum Krankenhaus und zurück sind teuer, aber mit dem Bus zu fahren, ist angesichts ihrer Verletzungen ausgeschlossen. Das Risiko, dass jemand in einem vollen Bus Jerusalems an ihren Arm stößt, ist groß. Alltägliche Aufgaben wie die Erledigung von Einkäufen, sind geradezu unmöglich und fallen der Großmutter und Freunden zu.

Als wäre der physische und emotionale Schmerz nicht genug, machen finanzielle Probleme die Situation der nun zusammen lebenden, vergrößerten Familie nur noch schlimmer. Vor dem Angriff lebten Limor und ihr Ehemann ein schlichtes Leben in einer abgelegenen, wirtschaftlich schwachen Gemeinde. Er hatte keine Lebensversicherung.

Der Versicherungsbetrag für das alte Auto, welches bei dem Angriff aus dem Hinterhalt zum Totalschaden wurde, war gering. Und die Großmutter, von der so viel abhängt, ist nicht einmal in der Lage, für die Energieversorgung zu zahlen. Die sechsköpfige Familie lebte für mehrere Tage ohne Heizung, weil sie sich kein Heizöl leisten konnten. Ein besorgter Freund, der sie besuchte und die Situation sah, bestellte umgehend das Öl und bezahlte selbst dafür.

Vor kurzem besuchte Limor die Stelle, an der der Angriff aus dem Hinterhalt das Leben ihres Mannes kostete und ihr so viel Kummer brachte. An diesem Ort, wie man es tut, wenn man eine Lebensgefahr oder gefährliche Reise überlebt hat, sagte sie den traditionellen Birkat Hagomel-Segensspruch, der sich voll Danksagung an Psalm 57 anlehnt: „Gelobt seist du, Herr, unser Gott ... der du Gunst denen erweisest, die es nicht verdienen, und der du mir alle Güte erzeigt hast.“ Wir antworten: „Amen! Möge er, der dir alle Güte erzeigt hat, dir stets Wohltaten erweisen, selah.“ Sogar in schweren Zeiten verlieren wir nicht den Glauben, sondern danken Gott für Seine Güte.

Gott sagte, dass Er das Schreien der Witwen und Waisen hören wird (2. Mose 22, 22; Ps. 146, 9). Wir helfen Limor und ihrer Familie in dieser Krise. Wir danken Euch, dass es Euch am Herzen liegt, auf deren Tränen zu antworten. ◊

—   Gabriel A. Goldberg

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Stand dieser Seite:  6. Juni 2005

   
 

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