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 Islam und Antisemitismus

Der Journalist Eldad Beck über orientalische und europäische Wurzeln des Judenhasses vieler Muslime

Es war im Mai 2000, als ich in den Libanon reiste. Der israelische Rückzug war gerade in Gang. Eine Kollegin und ich fuhren mit einem Taxi in den Süden, um eine Siegesfeier der Hisbollah anzuschauen. Unser Fahrer, ein bärtiger Religiöser um die 40, hatte gegen die israelische Besatzung gekämpft und ein paar Monate im Al-Khiam-Gefängnis verbracht. "Es ist ein großer Sieg", sagte er mir auf Arabisch. "Wissen Sie, im Endeffekt sind die Juden feige. Sie lassen andere für sich kämpfen. Die Juden sind die Quelle des Bösen in der ganzen Welt. Sie wollen die Welt beherrschen - durch die Politik, die Banken, die Presse. Die wollen die anderen versklaven. Du solltest die "Protokolle der Weisen von Zion" lesen, um alles zu verstehen. Ihr, in den westlichen Medien, seid alle von den Juden manipuliert. Na ja, vielleicht in Österreich nicht so. Ihr wisst schon, wie die Juden wirklich sind. Schlimmer als die Hunde, als die Affen. Wusstest du, dass sie mit ihren Müttern schlafen?"

Ein paar Wochen später besuchte ich den Irak. Saddams Leute arrangierten ein Gespräch mit führenden geistlichen Persönlichkeiten in der heiligen schiitischen Stadt Kerbela. "Wissen Sie", sagte mir ein Imam, "Sie in Österreich und in Europa und wir haben dieselben Feinde - die Juden. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem wir dieses Problem endlich lösen könnten." Nach der Befreiung bin ich in den Irak zurückgekehrt. In Tikrit saß ich mit einer deutschen Kollegin bei einem Cousin des gestürzten Diktators. "Saddam war genauso wie Hitler", sagte er uns. "Er war ein starker Mann, der alles für sein Volk gegeben hat. Er war ein respektabler Mensch, der gegen die Kriminellen gekämpft hat. Alles in allem war Hitler ein guter Typ. Er bekämpfte die Juden, genauso wie Saddam."

Wie kommt es dazu, dass solche Hassgefühle gegenüber Juden in der arabischen und moslemischen Welt so verbreitet und akzeptiert sind? Hat es mit dem Nahostkonflikt zu tun, oder mit einem anderen, tieferen Phänomen? Der Judenhass aus religiösen Gründen existierte auch früher in der moslemischen Welt. Mit dem Kolonialismus des 19. Jahrhunderts erreichte der europäische Antisemitismus die Länder des Islam. Politische und kulturelle Eliten wurden vom Antisemitismus und von anderen Ideologien der Zeit, wie dem Faschismus stark geprägt. Im Libanon wurden die christlichen "Phalangen" nach dem Vorbild der Hitlerjugend gegründet. Die Baath-Partei - die in Syrien noch immer an der Macht ist - wurde nach faschistischem Vorbild formiert. Nicht nur laizistische Bewegungen wurden vom europäischen Faschismus beeinflusst, sondern auch die "Moslem-Brüderschaft" - eine Bewegung, in der der heutige Islamismus wurzelt. In den 30er- und 40er-Jahren wurden die Nazis von vielen in der arabischen Welt als Helden betrachtet, weil sie die kolonialistischen Mächte bekämpften. Die Nazis unterstützten den radikalen Mufti von Jerusalem, Al Husseini, in seinem blutigen Aufstand gegen die Briten und die Juden. Später fand er ein Refugium in Berlin und machte in der moslemischen Welt Stimmung für die Nazis. Die Nazis steckten hinter dem Staatsstreich im Irak 1941 und halfen nationalen Bewegungen in anderen arabischen Ländern, wie zum Beispiel in Ägypten. Viele Nazis bekamen nach Ende des Krieges Asyl in arabischen Ländern und dienten ihren neuen Sponsoren in deren Krieg gegen Israel.

Der Konflikt um "Palästina" hat also die vorhandenen antisemitischen Tendenzen in der arabischen und moslemischen Welt nur verstärkt.

Genau wie in Europa am Anfang des 20. Jahrhunderts geht es hier um eine kollektive Zurückweisung der Verantwortung für die eigene Lage und die eigenen Probleme. Man betrachtet sich und seine Gesellschaft als das Opfer externer Kräfte, obwohl die Kolonialisierung längst vorbei ist. Man projiziert seine eigene Verantwortung auf externe Mächte - die Juden - und dämonisiert sie. Mit der Zuwanderung kehrt dieser Antisemitismus nun ins Herz Europas zurück. Europa darf ihn nicht als bloße Reaktion auf den Konflikt im Nahen Osten verharmlosen, sondern muss ihn bekämpfen.

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Der Autor ist Korrespondent der Zeitung "Yedioth Ahronoth" in Berlin

Artikel erschienen am 25. April 2004

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Stand dieser Seite:  31. August 2005

   
 

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