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Verleumdung, Mittelalter und Gegenwart

 
 

 

 

 

 

Verleumdung, Mittelalter und Gegenwart                       

Jerusalem Post vom 21. April, 2004 (Libels, medieval and modern)

Unweit von Montreux befindet sich das mittelalterliche Schloss Chillon.

Das strahlende Äussere täuscht, denn im Innern birgt sich ein düsteres und unheimliches Geheimnis, das viel über Europas Verhältnis zu den Juden in der weit zurückliegenden Vergangenheit und in der Gegenwart aussagt.

Es war im Jahr 1348, als der Schwarze Tod auf dem ganzen Kontinent wütete, und ganze Ortschaften auslöschte. Die europäischen Juden litten nicht weniger als ihre nichtjüdischen Nachbarn, aber das bewahrte sie nicht davor, beschuldigt zu werden. Verleumdung von Juden, wie beispielsweise Gerüchte von Brunnenvergiftung, breitete sich schnell aus in ganz Frankreich und in der Schweiz und legten damit das Fundament für Massenmord und Verfolgung.

Im September 1349 wurden die Juden des schweizerischen Villeneuve nach Chillon gebracht und dort eingekerkert. Sie wurden so lange aufs schrecklichste gefoltert, bis ein jüdischer Chirurg namens Balavignus schliesslich unter Zwang „zugab“, dass ansässige Juden ein Gift zusammengebraut hatten. Dieses Gift bestehend aus christlichen Herzen und Fleisch, Spinnen, Fröschen und Eidechsen und Hostien für katholische Rituale sollten christliche Brunnen und Flüsse vergiften. In der Folge wurden die Juden von Villeneuve – Männer, Frauen und Kinder – in den Verliessen des Schlosses lebendig verbrannt.

Wie der Historiker Joshua Trachtenberg in „Der Teufel und die Juden“ schrieb: „Diese Geschichte wurde in dieser oder jener Form im Zusammenhang mit der Seuche verbreitet und gierig von der in Schrecken versetzten Bevölkerung als Erklärung dafür aufgegriffen.“

Einige Monate später, im Januar 1349, wurden in Basel 600 Juden zu Tode verbrannt. Dieses entsetzliche Muster wiederholte sich mit seinem ganzen Schrecken an anderen Orten in ganz Frankreich, in der Schweiz und in Deutschland. Damals behandelte Europa die Juden auf Grund einer lächerlichen Lüge. Wenigstens in diesem Sinn hat sich seither wenig verändert.

Denn während die Europäer uns einst wegen der „Blutschuld“ anklagten, indem sie sagten, wir benützten das Blut anderer Menschen, schwärzen sie uns heute fälschlicherweise mit einer „Landschuld“ an, indem sie behaupten, wir hätten Land von anderen gestohlen.

Am vergangenen Montag waren wir Zeugen davon, als der Schweizer Botschafter in Israel, Ernst Iten, sich weigerte, an einer Feier in Jerusalem teilzunehmen, an der eine Strasse nach einem schweizerischen „Gerechten der Nationen“ (Paul Grüninger) benannt werden soll. Die Begründung für diese Ungehörigkeit des Botschafters war die Tatsache, dass sich die fragliche Strasse im Pisgat Ze’ev Quartier befindet, welches Israel im Sechstagekrieg 1967 eroberte und nach europäischem Verständnis „arabisches Land“ ist.

„Unglücklicherweise“, so schrieb der Botschafter in seinem Brief an den Jerusalemer Bürgermeister Uri Lupolianski, „kann die Botschaft einer Feier für eine Strasse, die sich nicht im international anerkannten Teil Israels befindet, nicht beiwohnen.“ In anderen Worten wollte seine Exzellenz sagen: Ihr Juden seid eine Diebesbande, weil ihr palästinensisches Land gestohlen habt.

Diese Sicht ist natürlich nicht nur jene der Schweiz, sondern jene von ganz Europa, das Israel schon lange drängt, die Kontrolle von Judäa, Samarien und Gaza an die Palästinenser zu übergeben.

Erst letzte Woche wiederholte die EU ihren Standpunkt bezüglich dieser Frage, nachdem Premierminister Ariel Sharon mit US-Präsident Georg W. Bush im Weissen Haus zusammentraf. An einer Pressekonferenz am 15. April in Brüssel sagte der Sprecher der Europakommission, Reijo Kemppinen, dass Israel und die Palästinenser eine Vereinbarung auszuhandeln hätten, deren Resultat zwei „lebensfähige und unabhängige Staaten auf Grund der 1967er Grenze sei“. „Die EU“, so fügte er hinzu, „wird keine Änderung der vor-67er Grenzen anerkennen, es sei denn, sie sei von beiden Seiten beschlossen.“

Die Europäer können nicht daran gehindert werden, eine Jahrtausendealte Geschichte und deren archäologische Bestätigung zu ignorieren - eine Geschichte, die beweist, dass die Juden bereits in Hebron und Bethlehem gelebt hatten, als es noch keine europäische Zivilisation gab. Und wenn sie die biblischen Aussagen nicht gelten lassen, die das Land Israel ausschliesslich dem jüdischen Volk versprechen, dann ist das eine Angelegenheit zwischen ihnen und Gott.

Aber sie haben kein Recht, uns zu verleumden und anzuschwärzen, indem sie den jüdischen Staat fälschlicherweise anklagen, das Land von jemand anderem zu besetzen. Das ist nicht nur eine Frage der geschichtlichen Wahrheit, sondern eine Frage von Leben und Tod.

Denn genau so wie der Glaube an die mittelalterliche „Blutschuld“ den Mord an Juden legitimierte, so legitimiert die moderne „Landschuld“ jene, die uns angreifen, seien es jetzt islamische Fundamentalisten, palästinensische Nationalisten oder europäische Antisemiten. Schliesslich schätzt niemand einen Landklauer. Wenn die Juden – wie die Europäer betonen – Diebe von arabischem Land sind, dann scheint die Plattform gegeben zu sein, sie zu einem berechtigten Objekt für Hass und Abscheu zu machen.

Vor mehr als sechs Jahrhunderten war es genau diese Einstellung, die dazu führte, dass unschuldige Juden in den Verliessen von Chillon verbrannt wurden. In seiner heutigen Form bedeutet das Selbstmordanschläge, Synagogenschändung und Schiessereien. Und so bleibt nach Hunderten von Jahren eines unverändert: Damals wie heute ist Europa nicht weniger tadelnswert für das, was es hervorbrachte (Europe is no less culpable for what it has wrought).

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Text: Michael Freund, ehemaliger Vizedirektor für Kommunikation und politische Planung im Büro des ehemaligen Premierministers Benjamin Netanyahu

 

Kurze Geschichte von Pisgat Ze’ev seit der türkischen Eroberung 1517:

1517 – 1917
Türkische Herrschaft

1917 - 1947
Britisches Mandatsgebiet, in dem gemäss der Balfour-Erklärung von 1920 „eine Heimat für das jüdische Volk geschaffen werden sollte“. Diese Erklärung wurde vom Völkerbund bestätigt.

1948 – 1967
Illegale jordanische Besetzung, die nur von England und Pakistan akzeptiert wurde.

Seit 1967
Annektiert von Israel als Teil von Jerusalem.

Die UNO-Resolution 242 spricht ausdrücklich von Sicherheitsgrenzen für Israel und von der Rückgabe von(!) erobertem Land, nicht vom(!) eroberten Land.

Die Araber bestehen darauf, dass die Grenzen vor 1967 auch in Zukunft gelten müssen (inklusive der Teilung von Jerusalem), und die Europäer mussten sich dieser Meinung anschliessen, weil sie sich im Euro-Arabischen Dialog (EAD) zur Übernahme der arabischen Politik gegenüber Israel verpflichteten. Die UNO-Resolution 242 ist in der Weltgeschichte einmalig. Noch nie wurde eine Nation gezwungen, Land aufzugeben, das in einem Defensivkrieg (Verteidigungskrieg) erobert wurde. Die Moralität der Völkergemeinschaft befand sich damals schon auf einem Tiefpunkt. Israel hat in der UN eine Stimme, die arabischen Staaten dagegen mindestens 20.

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Stand dieser Seite:  8. Oktober 2005

   
 

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